Die 3 Großen

Götterdämmerung

..und es war dunkel. Da erschienen die großen Götter der Theorie - Reuius der Gnädige, Hertius der Starke und Dierius der Turing-Mächtige.

Sie blickten aus ihrem Olymp hinab in die hektische Welt, und sahen nichts als unwürdige Würmer, die sich nur um die schönen Dinge des Lebens kümmerten.

Und sie suchten diejenigen, die den Funken in sich trugen. Doch sie fanden keinen, dessen Herz und Verstand rein genug gewesen wären, um die Klarheit und Reinheit, die kristallklare Essenz der Theoretischen Informatik zu verstehen.

Da beschlossen sie eine Prüfung zu erschaffen, gegen die alle bisherigen Prüfungen nichtig erscheinen würden, eine Prüfung, schwieriger als die Aufgaben des Herakles, entmutigender als die Strafe des Sysiphus, schrecklicher als die Qualen des Tantalus. Eine Prüfung, die Katharsis und Erleuchtung, Schrecken und Erlösung, Niederlage und Erfolg in sich vereinen sollte.

So also sprachen sie zu den Unwürdigen:

"WOLLT IHR..."

(dann aber 3 Oktaven höher und 10dB leiser, da die ersten Unwürdigen schon in Ohnmacht fielen)

"... DEN SCHRITT ZU EINER NEUEN SPHÄRE EURES BEWUßTSEINS WAGEN, DEN ABGLANZ UNSERER MACHT ERBLICKEN UND AUF EWIG EUER BISHERIGEN WELT ENTSAGEN?"

Die Würmer stammelten ein paarmal 'Ja' und 'Naja', doch dies erreichte die Ohren der Götter nicht.

"DANN NEHMET DIESE TAFELN UND BILDET EUCH!"

Mit diesen Worten setzte ein Hagel von Steintafeln ein, der ein paar der unwürdigen Würmer gleich erschlug.

"LESET DIES! SUCHET DAZU DIE TAFELN DES GROßEN AIGNERS UND DIE DES ORAKELS VON HOPCROFT-ULLMAN"

Doch die Würmer hörten nicht auf die Götter, sie stürzten sich lediglich auf die Tafeln des Reuius, deren Zeilen die dichtgemeiselsten und unterstrichensten (wie heißt das eigentlich bei Steintafeln?) waren.

Am Tage der ersten Prüfung jedoch erkannten die Würmer ihren Irrtum - auch die beste Huldigung des Reuius; reichte nicht aus, um vor dem Tribunal der Götter zu bestehen.

Einigen der Würmer kam die Erkenntnis, daß der Weg zur Erleuchtung nur über die totale Entsagung aller weltlicher Freuden führen konnte.

Sie schlossen sich alle 7 Tage in eine Kammer ein und versuchten, den Tafeln der 3 Götter sowie den Tafeln des Schöning und des Aigner die letzten Geheimnisse zu entreißen.

Sie pilgerten auch zu den Schreinen der großen Götter, in denen die Heiligen Lorius, Petrius und Ausinus in selbstloser Aufopferung den Reisenden mit Rat zur Seite standen und die Mysterien der alten Zeit zu enträtseln halfen.

Der Tag der zweiten Prüfung rückte näher - der Tag, an dem entschieden werden sollte, ob ein Wurm doch noch auf den rechten Weg zurüclgelehrt sei. Die Würmer gaben sich noch größere Mühe in ihren Studien, verzichteten nunmehr auch auf ihre Privatsphäre und versammlten sich im Haupttempel der Götter, um die sakralen Energien zu ihrer Bildung nutzen zu können.

Die zweite Prüfung war eine erneute große Katharsis der Würmer. Einige waren nicht vor dem diesjährigen Tribunal erschienen, da sie sich nicht für würdig genug hielten. Andere waren von den Zeichen auf den göttlichen Steintafeln so überwältigt, daß sie sich auch diesmal keine Chancen ausrechneten, vor den Göttern zu bestehen.

"NUN DENN..."

sprachen die Götter

"...LASSET UNS ZWÖLF DER UNWÜRDIGEN WÄHLEN UND IHNEN DIE GLORIE DES ERFOLGES GÖNNEN."

Was aber sollte mit denen geschehen, die zum zweiten Mal vor den Göttern nicht bestanden hatten?

"DIEJENIGEN ABER, DENEN DAS ZWEITE MAL DIE ERLEUCHTUNG NICHT ZUTEIL WURDE, LASSET VOR UNS TRETEN, AUF DAß UNSER LICHT IHREN GEIST ERHELLE UND DEN FUNKEN IN IHNEN ZÜNDE!"

Die folgende Zeit wurde schwer fuer die Wuermer. Sie kleideten sich in Sack und Asche, verzichteten auf jeden Komfort. Im Schein schwach glimmender Lichter (Mensa-Beleuchtung, Anm. der Uebersetzers) lasen die schweren Steintafeln, unter deren Gewicht sich die Tische bogen.

Der Tag des letzten Gerichts kam unaufhaltsam naeher. Wuerden die Wuermer im goettlichen Licht bestehen oder von diesem zu taub verbannt werden? Um dies zu prufen, baten sie andere Wuermer aus der Reihe der ZWOELF, ihr Wisen mit dem durch den göttlichen Funken vermittelten zu vergleichen.

Fortsetzung folgt...


2000 © Michael Schumacher <schumaml@gmx.de>

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